«Jetzt muss Berset die Gegner endlich zur Impfung zwingen»

Gastkommentar von Simon Studer


«Es braucht jetzt einen Paradigmenwechsel.» schreibt von Burg. Und vollzieht ihn sogleich. Wenn es in der SonntagsZeitung steht, ist es wahrscheinlich «mainstream» und «normal». Persönlich finde ich das ungeheuerlich.

Nicht nur, dass hier von «Gegner» gesprochen wird, wo lediglich erwachsene Menschen eine eigene Risikoabwägung vornehmen und eine geforderte Rücksichtnahme unterstellt wird, wo gar keine solche Forderung besteht.

Der indirekte Impfzwang, den es längst gibt, beschreibt von Burg noch als Tabu.

Aber wirklich bedenklich, irgendwie auch schockierend, ist diese komplette Umkehr dessen was Freiheit, was Verantwortung, und was Risiko bedeutet und wie wir damit umgehen.

Zwang und Nötigung werden als ethisch angepriesen. Nicht jenen, die Angst oder gar Panik haben soll zugemutet werden, zuhause zu bleiben, sondern all denen, die gesund sind, aber theoretisch symptomlose Träger des Virus sein könnten.
Freiheit wird jetzt so verstanden, dass man das Recht hätte, nur noch geimpften oder negativ getesteten Personen zu begegnen. Und nicht Geimpfte und nicht Getestete hätten eben kein Recht, andere dem ungeheurlichen Risiko einer Ansteckung auszusetzen, die für Ungeimpfte im äusserst seltenen aber schlimmsten Fall tödlich sein könnte.

Und darum gäbe es jetzt eine «Bürgerpflicht» sich zu impfen. Mit einem Impfstoff, dessen Technologie wohl zwar schon länger bekannt ist und erforscht wird, aber halt doch einem Impfstoff, der noch keine reguläre Zulassung hat und dessen Langzeitwirkung weitgehend unbekannt ist.

Ich meine – kann man so sehen, klar. Man kann auch Berufsverbote, Ausweispflicht usw. fordern. Aber man muss verstehen, auf welchen Pfad man sich begibt. Es ist kein «ethischer», soviel ist klar.

Um nur das Beispiel mit dem Führerschein aufzunehmen, das von Burg anspricht: Die Argumentation nach dem geforderten Paradigmenwechsel könnte, ohne sich von der propagierten Logik hier zu lösen, lauten: Selbst wer einen Führerschein besitzt (keine Symptome hat, gesund ist) könnte unwissentlich und unwillentlich einen Unfall verursachen (jemanden anstecken) der im schlimmsten Fall jemanden das Leben kostet oder für lange Zeit an ein Intensivpflegebett bindet. Woher nimmt sich eine Fahrzeuglenkerin das Recht, andere solchem Risiko auszusetzen? Niemand muss sich das gefallen lassen. Arbeitgeber könnten ihren Angestellten verbieten, per gelenktem Fahrzeug zur zu Arbeit fahren. ÖV: Bürgerpflicht!

Das wäre dann die vergleichsweise harmlose Variante. Weniger harmlos ging es zu anderen Zeiten und an anderen Orten auch schon zu, wie uns Aleksandr Solshenitsyn berichtete. Wer damit nicht vertraut ist – ein ganz kurzer Auszug weiter unten. Man achte lediglich auf die Argumentation. Und in wirren Zeiten wie diesen schaue man bitte den Meinungsführern ganz besonders auf die Finger.

Häbet Sorg zuenand!

PS: um allfälligen Missverständnissen vorzubeugen; ich bin kein Impfgegner. Ich bin froh, hat die Forschung so rasch einen offenbar wirksamen Impfstoff entwickeln können. Aber ich bin dezidiert dagegen, aus dieser Pandemie einen Wendepunkt zum Schlechten dafür werden zu lassen, wie wir mit Riskien, persönlicher Verantwortung und Freiheit umgehen. Gegen eine Umkehr der Beweislast. Das ging noch nie gut aus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zur Werkzeugleiste springen