Statistik vs. Logik zum Mindestlohn

Von David Libertus

Neulich fragte mich doch ein Bekannter: “Übrigens, wusstest du, dass es in England den flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn gibt, und die Arbeitslosigkeit nicht gestiegen ist?“ Der gute alte Fehlschluss. Mehrere Argumente fallen mir dazu spontan ein.

  1. Angenommen, es stimmt, dass nach Einführung des Mindestlohnes die Arbeitslosigkeit nicht gestiegen ist: Korrelation beweist nicht Kausation. Es könnte zum Beispiel ein anderer Faktor im Spiel sein, der die Arbeitslosigkeit in dem Zeitraum gedrückt hat.
  2. Nochmal angenommen, das stimmt: dass die Arbeitslosigkeit nicht angestiegen ist, beweist nicht, dass der Mindestlohn nicht zu einer höheren Arbeitslosigkeit geführt hat, als sie ohne den ML gewesen wäre. Vielleicht wäre die Arbeitslosigkeit ja viel stärker gesunken, hätte man nicht den Mindestlohn eingeführt. Lesen Sie den letzten Satz ruhig drei, vier Mal, falls Sie ihn nicht verstanden haben.
  3. Nochmal angenommen, das stimmt: Was ist, wenn die Höhe des ML ziemlich genau auf Höhe des “Markt”-Mindestlohnes, also der niedrigsten Markt-Löhne, liegt? Dann hätte er praktisch keine Bedeutung für die tatsächlichen Lohnhöhen und somit auch nicht auf die Arbeitslosigkeit. Der Mindestlohn schadet in dem Fall nichts, aber er nützt auch niemandem etwas.
  4. In einer komplexen Welt muss man vorsichtig mit Schlussfolgerungen aus Statistiken sein, denn eine Statistik kann uns immer nur hinterher zeigen, was passiert ist, aber nicht mit Sicherheit, warum etwas passiert. Die Faktoren lassen sich nicht, wie in einem Chemie-Versuch, isolieren. Ich bin ja derjenige, der staatliche zentrale Planung der Löhne ablehnt, weil ich die Konsequenz aus der Tatsache ziehen muss, dass ich nicht alles weiß. Wer staatliche Eingriffe fordert, maßt sich Wissen an.
  5. Der ML in UK liegt bei maximal 6.31 Pfund. Ich habe nur eine Frage. Was würde passieren, wenn man ihn z.B. verdreifacht? Hilft viel nicht viel? Nach Logik der Befürworter dürfte ein höherer Mindestlohn ebenfalls keinerlei negative Auswirkungen auf die Arbeitslosigkeit haben. Aber, natürlich hat er das. Also muss deren Theorie fehlerhaft sein.

Die Arbeitslosigkeit IST gestiegen: der Mindestlohn wurde 1999 eingeführt. Die Jugendarbeitslosigkeit betrug im Jahre 1999 ca. 13%, lag 2010 bei fast 20% (ein 50%iger Anstieg!), nur für Altersklasse 25+ ging die AL zunächst leicht zurück, stieg dann wieder an und liegt jetzt 1% über dem Ausgangswert von 1999.1 Sie entspricht genau den Voraussagen der Mindestlohngegner, dass er die Jugendlichen und andere Geringqualifizierte am meisten schädigt.

1 http://www.poverty.org.uk/35/ah.png

Veröffentlicht in Welt

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