Über den Vorwurf des Versagens

Von Tommy Casagrande – Der Vorwurf des “Versagers” erweist sich als unfähig in der Klarstellung von systemisch verursachten Problemen. Man kann immer noch eine Regulierung mehr einführen.

Der Kreis derer, die als unfähig gelten, ist beliebig dehnbar. Umso mehr Regulierungen eingeführt werden, umso größer ist der Kreis derjenigen, die als unfähig bezeichnet werden. Umso mehr Entstaatlichung geschieht, umso kleiner wird dieser Kreis, und seltsamerweise werden dann aus unfähigen Menschen plötzlich fähige. Hieran erkannt man, woran diese Begriffsbenutzung krankt. Sie stigmatisiert und verurteilt. Sie führt aber nicht zu einem Erkenntnisgewinn.

Wenn der Staat eine Regulierung verabschiedet, die ein gewisses Talent erfordert, dann werden all jene aussortiert und selektiert, die es nicht besitzen. Die Hürde, die durch eine Regulierung skizziert wird, ist eine künstlich geschaffene Schwelle über die nicht jeder Mensch springen kann, weil nicht jeder Mensch gleich lange Beine und eine gleich große Sprungkraft besitzt. Die Wahrheit ist, dass Menschen unterschiedlich sind. Wenn der Staat aber regulierend eingreift, werden manche Talente sich nicht mehr entfalten und als unbrauchbar erscheinen, weil durch den Staat das Angebot und die Nachfrage beeinflusst werden.

Man könnte auch regulieren, dass nur Menschen, die 100 Meter in weniger als zehn Sekunden laufen können, die besseren Menschen sind. Folglich wären dann 99 Prozent oder mehr auf der Welt Versager und Taugenichtse. Eine Regulierung ist beliebig und genauso beliebig ist die Anzahl derer die heute noch Versager sind. Ändert man den politischen Rahmen, ändert sich die Anzahl der Versager. Sie steigen oder fallen. Es gibt keine wirklichen Versager, denn ohne Staat würde sich so ziemlich jeder sein Leben freiwillig aussuchen. Versager werden nur von Systemen produziert, in denen eine bestimmte Lebensart vorgegeben ist und dem mangels Alternativen nachgelaufen wird. Die Differenz aus Individualität und systemischer Realität produziert das, was man einen “Versager” nennt.

Bild: Flickr von austriatourism

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