Über Preisabsprachen

Von Stefan Blankertz

Beispiel einer Diskussion zwischen zwei Menschen:

Kritisch: Wenn der Preis abgesprochen wurde; keine Wahl für die Käufer besteht, was dann?

Antwort: Dann kommt ein anderer, wenn er unter diesem Preis noch profitabel anbieten kann. Vorausgesetzt, der Staat verbietet ihm das nicht.

Kritisch: Bist Du sicher, dass in diesem Fall IMMER ein Anderer kommt?

Antwort: Woher soll ich das wissen? Worauf willst Du hinaus?

Kritisch: “Das Ausgeliefertsein vom Endkonsumenten !” Was Du beschreibst funktioniert nur, wenn “gesichert” ein Anderer erscheint und günstiger anbietet, warum sollte er das, wenn er sich zu den Anderen gesellt, verdient er mehr und der Konsument hat ja dann keine andere Wahl.

Die Position von “Kritisch” macht zwei nicht genannte Voraussetzungen, eine ökonomische, eine moralische, die beide falsch sind:

Geheime ökonomische Voraussetzung: Zu einem gegebenen Produkt gibt es keine Alternative. Wenn ein gegebenes Produkt nicht zu dem Preis oder der Qualität zur Verfügung gestellt wird, die der Konsument sich wünscht, ist er von dem “abhängig”, was er vorfindet und kauft es gleichsam “gegen seinen Willen”. Tut er nicht. Er kauft es nicht, entweder kauft er es gar nicht oder er kauft etwas anderes. – Dieser Fehler in der ökonomischen Diskussion hört sich klein und nebensächlich an, er ist jedoch Ursache vieler gravierender Fehler sonst großer Ökonomen. Der gleiche Fehler wird ja auch in den Diskussionen über angeblich natürliche Monopole gemacht. Dort wird dann gesagt, Stoff X käme nur selten vor und befände sich in der Hand von Eigentümer A, also kann A mit X Monopolgewinn machen und den Preis beliebig festsetzen. Kann er nicht. Wenn A den Stoff X teuer verkaufen will, als Konsumenten (oder Produzenten, die ihn zur Weiterverarbeitung wünschen) bereit sind zu zahlen, wird er ihn nicht verkaufen. Diese Erfahrung hat ja auch die OPEC gemacht – sie kann die Preise nicht “beliebig” raufsetzen; zum einen nicht, weil die Anbieter, die es am nötigsten haben, Einkommen zu erzielen, ausbrechen; zum anderen, weil bei steigendem Preis die Abnahme sofort sinkt (trotz angeblicher “Abhängigkeit” vom Öl).

Geheime moralische Voraussetzung: Der Konsument habe ein Anrecht auf Produkt Z und zwar zu einem Preis, den dritte als angemessen empfinden. Das neudeutsche Wort ist “bezahlbar”. Dieses Recht existiert schlicht und ergreifend nicht, kann nicht existieren und niemand, auch der Staat, kann ein solches Recht wirklich garantieren. In Moskau der 1920er Jahre gab es ein Recht auf bezahlbaren und angemessenen Wohnraum. Aber es gab nicht genug Wohnraum, um dieses Recht umzusetzen. Also wohnten zwei oder drei Familien gemeinsam in Wohnungen, die schon damals nicht dem Standard etwa der Armen in den USA entsprachen. Wer es sich leisten konnte, besorgte sich über den Schwarzmarkt Wohnraum (wobei das mitunter gefährlich werden konnte). [Dieses Beispiel ist aus der Erinnerung zitiert, nicht nachrecherchiert.]

Das Versprechen des Marktes ist nicht, wie die geheimen Voraussetzungen des Kritisch-Standpunktes lauten, dass ein beliebig genanntes Produkt W zu einem (angeblich) sozialverträglichen Preis angeboten wird, sondern: Produkte werden auf relativ effektivste Weise (also effektiver als alle denkbaren Alternativen) produziert und auf die relativ günstigste Weise verkauft. Greift der Staat ein, um W günstiger zu machen, hat dies zur Folge, dass von W weniger zur Verfügung steht, als Käufer es wollen (Folge: Zuteilungswirtschaft), dass W ggf. ganz vom Markt verschwindet, oder/und dass andere Produkte teurer werden (sie werden teurer, wenn Ressourcen in die Produktion von W umgeleitet werden).

Ganz unabhängig von dieser Argumentation (den geheimen Voraussetzungen) gibt es ein Argument von Rothbard, das gegen effektive Preisabsprachen auf dem Markt spricht, das ich für überzeugend halte: Es gibt keine Obergrenze für “abgesprochene” Preise. Kostet W auf dem Markt 50 €, würde ein “Kartell” sicherlich mehr einnehmen, wenn sie 55 € absprechen (UND bei einem Preis von 55 € genauso viel Stück verkaufen, was eben nicht der Fall ist). Aber sie würden noch mehr einnahmen, wenn sie sich auf 60 € einigen usw. Wo werden sie stoppen? Die werden stoppen, wenn die weniger absetzen, also der geringere Absatz den Mehrgewinn aufzehrt. Und genau das ist die Definition des Marktpreises. Das funktioniert übrigens auch mit nur einem Anbieter (sofern er kein staatlich garantiertes Monopol hat): Er kann den Preis nicht “beliebig” nach oben setzen; auch er muss sich auf den Marktpreis einpendeln, selbst wenn es keine neuen Anbieter gibt; es sei denn, es gibt staatliche Interventionen.

Ergänzung von Tommy Casagrande: Es braucht gar nicht “gesichert” zu sein, dass es immer jemanden gibt, der unterbietet. Denn würde man es zum Absolutismus erheben, dass es immer einen Unterbieter geben MUSS, könnte man den Staat dazu ermächtigen, diesen Zwang durchzusetzen. Damit jedoch entfernt man sich schon wieder von einem freitümlichen Ansatz, denn Freiheit hat mit Freiwilligkeit zu tun. Das heißt, wenn die Menschen freiwillig zufrieden wären, dass es einen Alleinanbieter oder es meinetwegen Absprachen gäbe, dann wäre das in Ordnung. Wenn Menschen aber nicht unter solchen Bedingungen leben wöllten, würden sie von keinem abgehalten, selbst zum Anbieter zu werden und könnten dann das bestehende Angebot unterbieten. Wenn es viele Menschen gäbe, die gerne mehr sparen und ihr Geld für andere Dinge ausgeben möchten, würden sie bei dem günstigeren Angebot einkaufen und somit könnten diese auch viel Geld verdienen. Das heißt, sie könnten sogar mehr Geld verdienen als diejenigen die viel Geld verlangen. Oft ist das so. Es lohnt aber wenig über Inhalte einer Gesellschaft zu reden. Man sollte über Strukturen sprechen.

Bild: Fickr von Nicolas Nova

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